bukit lawang – where the orang utans sleep tonight

nach einer holperigen fahrt im public bus erreichen wir das busterminal von bukit lawang: ein staubiger platz, von einigen marktleuten umgeben, die uns  aufmerksam beäugen. wir werden von einem mann, etwa so gross wie ich, alter schwer einzuschätzen, vielleicht 35, sonnenbrille hochgesteckt, empfangen. nachdem wir unsere gewohnte schweizer skepsis überwunden haben, setzen wir uns ins angebotene ojek. und ehe wir es uns versehen, sind wir im von uns gewünschten hotel, wo noch genau ein zimmer frei ist – als wären wir erwartet worden. das eis ist schnell gebrochen. bald wird klar, dass wir es mit einem senior guide zu tun haben, der viel weiss, eine für western people vernünftige einstellung zum jungle hat und ein annehmbares englisch spricht. felix heisst er (eigentlich lili irgendwas, wie wir später erfahren). er trägt sein schwarzes haar kurz, hat ein gewinnendes, etwas schelmisches lachen. an seiner kenntnis der westlichen kultur merkt man, dass er jahrelang business mit engländern gemacht hat. noch am selben abend arrangieren wir einen zweitägigen jungletrip durch den leuser national park. 

im jungel ist es super heiss und feucht. gleich am anfang steigen wir einen steilen hügel hinauf. vor mir lias, felixs cousin, ebenfalls senior guide, hinter mir meine reisefreundin gefolgt von einem deutschen und einem holländischen paar. nach wenigen minuten treffen wir auf einen anderen guide, klein, gelänkig, mit schwarzem lockenschopf – er würde ein sehr guter mogli abgeben, finden wir, und würden ihn sofort für die nächste jungelbuchverfilmung vorschlagen (später stellt er sich uns als harry vor). neben ihm auf dem boden, nach luft ringend, sitzt ein noch junger pensionär im jungle outfit wie zu zeiten der holländischen kolonialherrschaft. später stellt sich heraus, dass es sich um einen musiker aus holland handelt, der von den guides liebevoll „papa“ genannt wird (wir dachten erst, die würden sich schon ewig kennen, dabei waren es erst wenige stunden). der umgang untereinander wird schnell vertraut. man kragselt zusammen auf schmalen pfaden inmitten saftiger pflanzen einen steilhang nach dem anderen hoch und wieder hinab. lianen und wurzelstöcke geben etwas halt. 

ich durchlöchere lias, ipol und harry mit fragen über die orang utans, die sich samt ihren babys in den bäumen nahe des weges herumhangeln. die antworten dazu ein anderes mal. wir sehen etwa 13 stück davon, inklusive des mächtigen männchens, das seelenruhig den schwarm von touristen, der sich versammelt hat, anglotzt. als es ihm zu bunt wird, kommt es runter auf den weg, vorauf wir auf abstand gehen. 

   
 das jungle camp liegt am bohorok und besteht aus mehreren offenen, mit wellblech überdeckten schlafplätzen und einer hütte, in welcher sofort feuer gemacht wird, um für die durstigen touristen wasser abzukochen. wir springen sofort ins lange ersehnte kühle nass. 

   
 am nächsten morgen gehen wir wortwörtlich „schnell“ zu einem wasserfall. gelenkig springen unsere guides voraus — auf einem feuchtnassen trampelpfad durchs dickicht des jungels. unsere oberschenkel schmerzen zwar vom vortag, doch sind wir bereits geübt im bergsteigen und kommen schnell voran. im wasserfall duschen wir und treffen danach wieder auf papa, der mit harry den einfachen weg am fluss entlang gewählt hatte. auf zusammengebundenen gummireifen („tubes“) rasseln wir samt sack und pack den fluss hinunter zurück nach bukit lawang. unsere guides singen lautstark das an die umstände angepasste jingle bells: jungle trek, jungle trek, in bukit lawang, see the monkeys, see the birds, and orang utan. repeat with a different ending: see the minah, run! minah ist an aggressive female orang utan that everybody is scared of. 

auf papa und harry treffen wir am nächsten tag beim elefanten-waschen wieder, nach einer holprigen fahrt im auto. ipol ist heute viel ruhiger — vermutlich weil er in der fahrerrolle ist und sein vorgesetzter, felix, dabei ist. ich frage die beiden über das leben in bukit lawang aus. viele der bewohner sind „flexible muslims“. zwar isst niemand schwein oder trinkt alkohol, doch mit dem ramadan nehmen es alle locker. vernünftig, im jungel und bei der hitze! einige dörfer weiter jedoch, als felix mich zur atm bringt, warten alle schon sehnsüchtig auf den ausruf der moschee. nun darf gegessen werden. zum glück betragen die tage nur ca 13 stunden!e hier tragen einige frauen kopftücher, nicht wie in bukit lawang wo niemand kopfbedeckung trägt. baden tun die frauen jedoch in voller bekleidung (tshirt und shorts bis zu den knien). 

die familiengrössen sind – nun ja – gross! sopy, unser rezeptionist, hat 9 geschwister! wischnu erklärt mit einem augenzwinkern, den leuten seien kondome kein begriff. mädchen kriegen zwischen 19 und 25 jahren ihr erstes kind – natürlich erst, wenn sie verheiratet sind. männer sind bei der heirat älter und müssen der braut ein mitgift von 200 millionen rupien un die ehe mitgeben können. das könne er sich nicht leisten, meint felix. 2003 hat er in der grossen flut sein haus und sein ganzes hab und gut verloren. wo früher sein haus stand, schlängelt sich nun der bohorok durch das dorf. 

in bukit lawang ist man entweder guide oder hotel/restaurant besitzer von beruf. die frauen passen auf den laden auf. die kinderbetreuung wird von mann und frau oder den grosseltern übernommen, je nach finanzieller lage. viele kinder besuchen die 13km entfernte schule. manche familien können es sich nicht leisten, alle kinder zur schule zu schicken. es gibt keine unterstützung durch den staat – jedoch auch keine steuern. es gilt das jungle law. sopy und felix hatten das glück, zur uni in medan gehen zu können und mechanik zu studieren. ich stelle mir diesen lehrgang etwa wie eine mechanikerlehre in der schweiz vor. vielleicht liege ich aber auch falsch. 

wir verlassen bukit lawang etwas wehmütig. auf gehts ins nächste abenteuer mit neuen menschen an einem neuen ort. 

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