Manila oder die Geschichte eines sympathischen Chaos

Eine erdrückende Hitze liegt über Manila. Auf EDSA, dem dreispurigen Highway um die Metropolitan City geht es im Schritttempo vorwärts – doch die Aircon funktioniert nur bei schneller Fahrt. Der Taxifahrer wischt sich alle zwei Minuten den Schweiss von der Stirn. Der Mittelstreifen auf dem Highway ist mit tropischen Pflanzen übersäht, an den Aussenwänden hängen Blumenkisten. Dann und wann führt eine Fussgängerpassage über die Strasse, auf der sich farbenfroh bekleidete Filipinas mit noch bunteren Schirmen bewegen. Rechts liegt ein fein herausgeputztes Regierungsgebäude, links unter der Autobahnbrücke liegt eine Strassenbande Kinder auf umgelegten Verkehrstrennern. Fliegende Händler tummeln sich am Strassenrand. Wir kaufen durchs Fenster zwei Flaschen Mineralwasser für umgerechnet 50 Rappen.
Quezon City, San Juan, Cubao. So heissen die Stadtteile, die wir während unseres knapp 24 stündigen Aufenthalts in der 15 Millionen Metropole besucht haben. Die Namen lassen auf die Spanier zurückschliessen, die während gut 300 Jahren grosse Teile des Inselreichs regierten. Wenn man den Filipinos beim Sprechen zuhört, fällt denn auch dann und wann ein „pero“ oder ein anderes spanisch klingendes Wort.

Einen weitaus grösseren Fussabdruck hinterliessen jedoch die Amerikaner, die nach den Spaniern die Herrschaft übernahmen. So kommt es, dass Englisch die zweite offizielle Landessprache der Philippinen ist. Amtliche Dokumente als auch so manche Schulunterlagen werden bis heute auf Englisch verfasst. Tatsächlich wechseln die Einwohner Manilas übergangslos zwischen Filipino und Englisch hin und her. An jeder Ecke findet sich ein amerikanischer Laden. Über KFC bis hin zu Payless Shoes ist alles zu finden. Auch die Architektur erinnert an die amerikanische Aera. Viele Gebäude sind im Art Deco Stil gebaut – ähnlich wie in Miami Beach.

Wir treffen uns mit Sunshine und Martin. Die beiden sind Freunde von Rolf, die er in Tokyo kennengelernt hat. Martin hat vor knapp einem Jahr ein Ramen Restaurant in San Juan eröffnet. „The truffle ramen is new. It’s not on the menu yet“, gibt Martin Auskunft. Es schmeckt vorzüglich. Und wenn man am Schluss Brühe übrig hat, kann man sich daraus noch ein Käserisotto zubereiten lassen. Übersättigt verlassen wir den Hipster Place.

Das UBER wartet schon. In Manila und Cebu City ist das Konzept, online Taxis zu bestellen und automatisch über Kreditkarte abzurechnen, bewährt. Sunshine fährt ausschliesslich mit UBER zur University of the Philippines, wo sie in Environmental Ingeneering doktoriert. Wir machen uns auf ins Nachtleben von Cubao. Als erstes geht es in eine Art Fussgängerpassage, wo sich entlang der Strasse hipstrige Kleinrestaurants und Bars, sowie Antiquitäten- und Buch- und Designerläden aneinanderreihen. Nach einem weiteren UBER ride finden wir uns in einem Wohnquartier wieder. Unscheinbar am Strassenrand liegt da eine Jazz Bar. Es ist, als würden wir in einen privaten Proberaum eindringen. Sehr familiär, etwas schmuddelig – aber cool. „Cuia, two more St. Miguel light. Salamat“, ruft Sunshine dem Kellner zu. Cuia bedeutet sowas wie „grosser Bruder“ und kann für Kellner, Taxifahrer und Imbissbesitzer gleichermassen angewendet werden. Es sei höflich, das zu sagen, sagt Sunshine. Dafür dass es keine Bierauswahl gibt, entschuldigt sie sich. St. Miguel habe sowas wie ein Monopol auf den Philippinen. Es gibt gerade mal St. Miguel light, pale pilson und red horse. Neu hinzugekommen ist ein kettle brew (sowas wie ein Bräufrisch). Da allesamt eher auf der faden Seite sind, bestellen die Filipinos normalerweise light – das wenigstens ein paar Kalorien weniger hat.

Im Bus verlassen wir die Stadt in Richtung Norden. Die Fahrt wird begleitet vom Radio, das in voller Lautstärke amerikanische Schlager spielt. I will always love you wechselt sich mit As long as you love me ab. Reisfelder ziehen vorbei. Ein Dorf reiht sich ans nächste. Hinter elegant geschwungenen Metallzäunen erstrecken sich staubige Vorplätze, auf denen Bananenpalmen und oleanderartige tropische Blumensträucher blühen. Marktfrauen verkaufen Bündelweise Knoblauch am Strassenrand – der wichtigste Bestandteil eines jeden philippinischen Gerichts. Die restliche Ware liegt unerkenntlich im Schatten der Dächer. Nach 9.5 Stunden Fahrt treffen wir am Ziel ein. Vigan. Die „spanischste Stadt der Philippinen“, so steht es im Reiseführer. Hier findest du nützliche Tipps zu deinem Aufenthalt in Vigan.

 

Ausblick von unserem Hotel in Cubao

  

Auf einer der berühmten Fussgängerbrücken stehen geblieben

  

Tor nach San Juan


Trüffelramen bei Oyasumi Ramen in San Juan

  

Cubao


Wie im eigenen Wohnzimmer. Jazzschuppen in San Juan

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