Bohol 2: Leben eines Stars im einfachen, aber schönen Tagbilaran

Shakey’s Tagbilaran, Bohol, Samstag 19. März, 20 Uhr. Heisshungrig verschlingen wir einen Cesar Salad und eine Shakey’s Special Pizza. Aus dem Nichts fragt Rolf plötzlich: „Are you making a movie?“ Ich schaue auf und entdecke einen schätzungsweise 8-jährigen Jungen, der mit erhobenem Handy um unseren Tisch herumschleicht. Etwas beschämt dreht er sich ab. Unter dem Gestichle seines älteren Bruders am Tisch vis-à-vis hinter mir wendet er sich uns wieder zu. Wie Stars von einem Paparazzi werden wir abermals abgelichtet. Vielleicht hört das Ganze ja auf, wenn die Brüder ein echtes Foto mit uns zusammen machen können, denke ich mir und rufe sie herbei. Die beiden werfen sich einer um den anderen mit uns in Pose. Nach diesem kleinen Intermezzo wenden wir uns erneut unserer Pizza zu. Unter beschämtem Gekicher werden weiter gefilmt und fotografiert. Einmal steht der kleine Junge auf meine Tischseite, Handy in Position, und wartet, bis ich mich ihm zuwende und lächle. Er drückt ab. Eine etwas verstörende und doch sehr amüsante Szene. Verwechseln sie uns mit einem Star? Oder ist es so aussergewöhnlich, dass westliche Touristen sich bei Shakey’s aufhalten? Sind sie in uns verliebt? Oder finden sie unseren Sonnenbrand lustig?

Tagbilaran hat ausser einem Fährenterminal und dem kleinen Flughafen nicht viel zu bieten. Da ist eine Kirche mit Glockenturm, dessen Silouhette nachts von einer Lichterkette beleuchtet wird und daneben der Rizal Park mit einer dunklen Ecke, wo minderjährige Pärchen Händchen halten, hunderte von Spatzen in den Bäumen zwitschern und ältere Frauen Fussmassagen auf der Parkbank anbieten. Nicht zu vergessen, die BQ Mall, welche einen ganzen Block einnimmt. Empfehlenswert ist das Matig-a Seaside Hotel, welches blitzeblank saubere Zimmer, Frühstück auf der Terrasse mit Meerblick und bequeme Betten zu einem günstigen Preis bietet. Wer zur Abwechslung mal guten Filipino Food essen möchte, ist bei Golden Cowrie nebenan genau richtig.

Nachdem ich eineinhalb Tage krank im Bett lag, mir die neue Netflix Serie „Fuller House“ und McDonalds to go im Bett reingezogen habe, folgt endlich wieder ein Tag der Erlebnisse. Schatzi holt einen Roller und los geht die Fahrt entlang der Küste nach Osten. Erstes Zwischenziel sind die Sipatan Hanging Bridges, zwei wacklige Hängebrücken aus Bambus, die vor Sevilla, zwischen Loboc und Bilar, über den tiefgrünen Loboc River führen. Einen zweiten Halt gibt es bei der Tarsier Conservation Area bei Bonbon. Die faustgrossen – oder kleinen – Tarsiere sind keine Affen. Nein. Man würde es nicht glauben, doch sind sie Primaten. Sie gehören einer primitiveren Art an und sind vor dem Aussterben bedroht. Ernähren tun sie sich hauptsächlich von Insekten. Nur einmal im Jahr gebären die Weibchen ein daumengrosses Junges, mit dem sie 6 Monate lang schwanger waren – laut einer vor Ort erhaltenen Informationsbroschüre die längste Schwangerschaftszeit, die bei Säugetieren (abgesehen vom Menschen) vorkommt. Danach leben die Tiere sie bis zur nächsten Paarungssaison solitär. Mittags um 12 Uhr schlafen die süssen Glubschaugen in den Bäumen. Wären da nicht Wärter, die auf ihre Anwesenheit hinwiesen, man würde sie kaum erkennen.

Dagegen sind die berühmten Chocolate Hills (siehe folgende Website für Fotos: http://www.chocolatehills.net) eher langweilig. Eine Kolonne Autos, Busse und Mopeds schlängeln sich den Berg empor. Den letzten Teil geht es zu Fuss in einer Menschenschlage zum Aussichtspunkt hinauf. Ein Foto da, ein Foto dort, ein Foto mit einer filippinischen Familie „with foreigners for rememberance“. Und wieder das selbe Prozedere auf dem Weg nach unten. Um die Hügel wirklich spektakulär zu erleben, müsste man wohl länger in dieser aussergewöhnlichen Landschaft verweilen und die Sonnenauf- und untergänge geniessen.

Aus Krankheitsgründen gehts wieder „nach Hause“, nach Tagbilaran. Den Weg zwischen dem Matig-a Seaside Hotel und der Mall haben wir nun schon etliche Male zurückgelegt und er scheint uns reichlich vertraut. Es wird Zeit, aufzubrechen. Über die in die Geschichte eingehende „Siquijor Affäre“ berichte ich beim nächsten Mal.

 

    
    
   

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