Siquijor, island of monsters and ghosts

Erzählt man Einheimischen, dass man nach Siquijor geht, kann man sich sicher sein, dass im nächsten Satz die Wörter „monster“ oder „ghosts“ fallen. Um die kleine, den Küsten von Bohol, Cebu und Negros vorgelagerten Insel drehen sich viele Mythen. Auf der Insel soll es spuken und so mancher Einheimische macht deshalb einen weiten Bogen darum herum. Den Bewohnern der Insel werden zudem hervorragende Kenntnisse in Naturheilkunde nachgesagt. So eilen bei den fünfstufigen Cambugahay Wasserfällen sofort Einheimische herbei, als Rolf bei einem Sprung ins Wasser seine Zehen an einem Stein aufschlägt. Es werden Blätter eines bestimmten Baumes – leider weiss ich den Namen nicht mehr – gesammelt, die Stiele sorgfältig entfernt, das Fleisch der Blätter geknetet und über dem Zehen ausgepresst. Das muss höllisch weh getan haben, aber schien zu nützen. Schon nach zwei Tagen ist der Fuss wieder abgeschwollen.Doch nicht alle Heilmethoden auf der Insel sind so überzeugend wie die gerade erwähnte. Einige Kulte nehmen zerstörerische Ausmasse an. Auf einem der höchsten Hügel der Insel wird gerade eine Bühne aufgebaut, als wir mit dem Roller durchfahren. Darüber hängt ein grosses Banner. „Healing Festival“ steht darauf. Von der philippinischen Ehefrau unseres Homestay Gastgebers erfahren wir, dass die Leute sich an diesem Festival auf der Bühne selbst die Arme aufschneiden. Gina kann dies genau so wenig nachvollziehen wie wir.

Fakt ist, dass in verschiedenen Teilen des Landes zur „Holy Week“, der Woche vor Ostern, Selbstausgeisselungen, Bekreuzigungen und solche verrückten Sachen stattfinden. Dass in den lokalen Nachrichten darüber berichtet wird, beweist jedoch, dass dieser Extremismus nur einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung betrifft und er für dem normalen Pöbel genau so abstrus vorkommt wie uns.

So viel dazu. Unser Aufenthalt auf dieser wunderschönen, naturbelassenen und ruhigen Insel hat sich leider auf zwei Nächte beschränkt. Nichtsdestotrotz haben wir extrem viel erlebt, was auch der Grund ist, weshalb ich erst jetzt darüber berichte.

Am ersten Abend sind wir auf der Geburtstagsparty von Peter gelandet, eines pensionierten Schweizers, der seit zig Jahren mit seiner philippinischen Frau auf den Philippinen lebt. Da war Roland, ein dickbäuchiger, urchiger Berneroberländer. Und unser Hotelgastgeber Bert, ein braungebrannter, grossgewachsener Holländer mit Tattoos und sportlicher Sonnenbrille auf seinem reckteckigen Kopf. Zu Besuch waren zudem der deutsche Neffe der quirligen philippinischen Ehefrau und dessen Freundin, eine dünne, blonde Gestalt mit altmodischer runder, metallrandiger Brille. Wir wurden direkt zum Abendbuffet eingeladen. Der Reihe nach gönnten sich alle eine Massage. Gleichzeitig ging die Sonne unter und tauchte das Meer und den erloschenen Vulkan des nahen Negros in rotes Licht. Siquijor ist nämlich nicht nur für seine Monstermythen sondern auch für seine spektakulären, roten Sonnenuntergänge bekannt. Ich habe gelesen, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte. Zurück im Hotel luden uns unsere finnischen Nachbarn auf ein Bierchen und finnische Popmusik auf ihre Veranda ein.

Am nächsten, und zugleich einzigen ganzen verfügbaren Tag, unternahmen wir eine Inselrundfahrt mit Anton und Pirjo, dem 23-jährigen Pärchen aus Finnland. Es wurde ein strenger Tag, denn wir wollten ja alles sehen: Den weissen Strand bei San Juan, den „Century old Balete Tree“ mit dem Fish Spa daneben, die Cambugahay Wasserfälle, den berühmten Salagdoong Beach. Ein langer Halt legten wir zudem im Dorf Lazi ein, das eine hübsche Kirche und eine alte Schule mit netten Holzböden und –schulbänken und dazwischen viele eindrückliche alte Bäume zu bieten hat. Einen Halt in Lazi kann ich wärmstens empfehlen. Ein wirklich gemütliches Dorf, das einige hippe Restaurants und Bars beherbergt. Vom philippinischen Dessert „Halo Halo“ würde ich jedoch abraten. Ein schrecklicher Mix aus frischen Früchten und farbenfrohen, künstlichen Schwabbelstücken, Glace, Eis, Frühstücksflocken und Kokosmilch. Eine teufliche Mischung.

Am nächsten Morgen fuhren wir noch hinauf zum Bandilaan Nationalpark. Einem letzten Stück „dunklen Waldes“ auf Siquijor, wo wir zu einem Aussichtsturm hinaufstiegen und einen Schmetterlingzüchter besuchten. Auf dem Rückweg führte uns die Strasse am oben genannten Healing Festival vorbei, womit sich der Kreis schliesst.

Fotos habe ich leider nicht viele gemacht. Wer einen Blick auf die sensationellen Wasserfälle werfen möchte, kann dies hier tun: https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g664445-d1550553-Reviews-Cambugahay_Falls-Siquijor_Island_Visayas.html

   
    
    
   

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