Yunnan 2.B: Xizhou bei Dali – über das Bai Dorf, seinen Markt, den Erhaisee und einen verrückten Rollerausflug

8:30 Uhr in Xizhou.

Einheimische mit Rückenkörben auf dem Weg zum Morgenmarkt hasten entlang der frisch gepflasterten, hellgrauen West Road. Ein alter Papa mit traditionellem Käppchen und antrazitgetünchtem Leinenanzug lacht uns zu. Auf der Shiping Street richtung Central Square öffnen gerade die ersten Souvenirgeschäfte und Kaffeeläden ihre detailreich verzierten, holzgeschnitzen Tore. Der Rollerverleih positioniert seine Elektroroller und der Baba Verkäufer rüstet gemächlich seinen Stand für die Horden an chinesischen Touristen, die ab 9 Uhr ins Dorf strömen.

Autenthisches Bai Dorf am Erhaisee

Xizhou ist ein Dorf am Erhaisee, 20 Autominuten nördlich der Altstadt von Dali. Hier ist das Leben der einheimischen Bai noch weitgehend vom Tourismus verschont geblieben. Verlässt man die touristische Hauptader Shi Shang Street, Central Square und Shiping Street, findet åman sich sofort in authentisch anmutenden Gassen wieder, wo man die Einheimischen bei ihren täglichen Aktivitäten beobachten kann. Am Morgenmarkt wird um allerhand Frischwaren gefeilscht. Viele Bai tragen ihre traditionellen Hüte. Wir sind die einzigen Touristen, die sich hierher verirrt haben. Fotografieren ist nicht erwünscht, was wir angesichts der Gestik der Marktfahrer schnell lernen. Hier kann man sich sicher sein, dass man noch ein Stück Authentizität miterlebt, dass die traditionellen Klüfte nicht für die Touristen getragen werden und das Angebot nicht an Touristen ausgerichtet wird. Gerade deshalb würde ich diesen Markt jeder Zeit wieder besuchen. Im Vergleich dazu steht der Freitagsmarkt in Shaxi, über den du in diesem Post lesen kannst.

Erste Erfahrungen mit einem Elektroroller

Die Kehrseite der Medaille sind die nicht existenten Englischkenntnisse der Einwohner. Nur einige wenige junge Leute sprechen ein paar Brocken Englisch. Das alte Baipärchen, bei dem wir einen Roller mieten wollen, holt kurzerhand eine benachbarte Teeladenbesitzerin zu Hilfe, um mit uns zu kommunizieren. Dennoch werden uns diverseste wichtige Informationen vorenthalten, so zum Beispiel, dass wir gerade zu zweit ein Gefährt ausgesucht haben, das nur für Kurzfahrten einer einzelnen Person geeignet ist. So fällt die Akkuanzeige innert Minuten von drei auf null Striche, als wir 1.5 Stunden entfernt, auf der anderen Seeseite langsam den Heimweg antreten wollen. Mit Hilfe von chinesischen Touristen, die ein paar Worte Englisch sprechen und stellvertretend für uns mit den Einheimischen sprechen, erfahren wir, dass die nächste Aufladestation nur einen Kilometer weit entfernt ist. So finden wir uns Minuten später in der armseligen Küche eines alten, wettergegerbten Mannes wieder, ein Tässchen heisses Wasser vor uns, mit Blick auf den Roller, der munter auf Chinesisch vor sich hin schwätzt während er am Strom hängt. Nach 45 Minuten schickt uns der Alte gestikulierend zurück auf die Strasse. Doch der Akku fällt erneut innert Minuten von vier auf einen Strich. Nach einem weiteren Aufladestopp, einigen Kilometern Fahrt im Schritttempo und einem letzten Kilometer des Roller-an-der-Strasse-entlang-Stossens, kommen wir endlich, halb entnervt und halb lachend in Xizhou an. Hier findest du Tipps zur Verständigung in China. Ob sich damit dieses grösste aller Missverständnisse hätte vermeiden lassen, ist jedoch fraglich.

Trotz der Strapazen hat sich die Fahrt entlang des Erhai Sees gelohnt. Die West Erhai Ring Road führt durch weitere, zu dieser Jahreszeit (Mai) aufgrund der Reispflanzung nahezu ausgestorbene, authentische Dörfer. Auf den Feldern herrscht dafür umso mehr Betrieb. Überall stehen Gruppen von einheimischen Frauen mit Gummistiefeln und breitrandigen Sonnenhüten im Sumpf der frisch gefluteten Reisefelder. Dahinter erstrecken sich die zwischen den Nebelschwaden steil aufragenden Bergketten.

Erhaisee

Wer sich den Erhai See als solches romantisch vorstellt, liegt jedoch falsch. Das Ufer ist nur an wenigen Stellen von der Strasse aus zugänglich und über weite Flächen von grünem Seetang und weisslichem Schaum bedeckt (sieh dir das Bild unten in der linken oberen Ecke etwas genauer an). Der See lädt weder zum Picknicken noch zum Baden ein. Immer wieder führt die Fahrt an touristischen Ecken vorbei, beispielsweie einer Parkanlage wo man Pferdekutschen fahren kann oder der Strasse zum Fährenterminal, die von Marktständen mit Souvenirs gesäumt wird.

19:30 Uhr in Xizhou.

Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Wolkentürme über der breiten West Road in rotes Licht. Die meisten Geschäfte entlang der Touristenroute haben ihre Tore bereits geschlossen. Die letzte zurückgebliebene Touristengruppe trinkt ihre Biere aus. Der letzte Baba Verkäufer löscht seine Glut. Bald wird die Stadt in Dunkelheit gehüllt und menschenleer sein. Wir machen uns auf den Heimweg zurück ins Hotel.

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