China: Yunnan für Individualreisende

Im Mai 2016 habe ich mit einer Freundin im Rahmen einer Südostasienreise einen Abstecher nach Yunnan gemacht. Wir wussten nicht so recht, was uns erwartet. Für uns beide war es das erste Mal in China. Wir hatten die ganze Reise alleine geplant, ohne die Hilfe eines Reisebüros, nur übers Internet. Zu einigen Themen fanden wir allerdings keine nützlichen Infos. Dieser Beitrag hier soll es euch bei der Planung eurer Reise durch Yunnan leichter machen! Falls ihr die passende Antwort auf eure Frage nicht finden solltet, zögert nicht, mich persönlich zu kontaktieren oder einen Kommentar zu schreiben. Normalerweise antworte ich innert drei Tagen.

Verständigung vor Ort

Um gleich die Frage aller Fragen zu beantworten: Ja, die Kommunikation auf Englisch ist in Yunnan, genau wie wahrscheinlich auch an anderen Orten in China, schwierig und Missverständnisse passieren. Die – im Nachhinein lustige – Story über die Ausleihe eines Elektrorollers könnt ihr hier lesen. Doch damit nicht genug. Hier einige weitere Missverständnisse, die wir hinnehmen mussten: Meine Freundin ist Vegetarierin und bestellte im Restaurant mittels chinesischem Tofu-Zeichen Tofu. Serviert wurde Tofu an einer Hackfleischsauce. Wäsche konnten wir waschen, doch war bei der Waschmaschine nicht wie uns vermeintlich kommuniziert wurde ein Trocknungsgang integriert und so mussten wir unsere Wäsche bei Regenwetter nach Draussen zum Trocknen hängen. Der wichtigste Tipp deshalb zuerst: Sich für alltägliche Dinge Zeit nehmen und über Missverständnisse lachen.

Hier einige Tipps, die die Kommunikation erleichtern:

  • Eine Sprachapp herunterladen (Pleco hat sich für uns bewährt. Funktioniert auch ohne Wifi). So kann man jeder Zeit die zur Verständigung benötigten chinesischen Zeichen abrufen und dem Gegenüber unter die Nase halten.
  • Die Chinesisch-Englische Menukarte, die in manchen Restaurants vorhanden ist, fotografieren und in chinesisch-only Restaurants wieder hervorholen.
  • Sich wichtige Informationen wie Busstationen, Hoteladressen oder „ich esse kein Fleisch“ von jemandem in chinesischen Zeichen aufschreiben lassen, um sie Taxi-, Busfahrern oder Restaurantpersonal zeigen zu können.
  • Der wichtigste Tipp: Geduld!

Internet

Facebook und Google sowie die meisten Emailaccounts und übrigens auch Dropbox (!) können in China nicht abgerufen werden. Das dürfte wohl bekannt sein. In letzter Sekunde vor der Reise habe ich zwei VPNs heruntergeladen. Den einen habe ich nie zum Funktionieren gebracht. Der andere funktionierte anfangs – jedoch mehr launisch als zuverlässig. Nach einer Woche ging gar nichts mehr. Zum Glück ist Whatsapp im Chinesischen Netz zugelassen und Face-Time Anrufe nach Hause waren ebenfalls möglich.

Tipps bezüglich Internetzugriff:

  • Sicherheitshalber: Wichtige Dokumente (z.B. Kopie des Passes oder Flugbuchungen (ich beispielsweise muss für die Einreise nach Myanmar die Buchung meiner Ausreise aus dem Land vorweisen)) lokal auf dem Handy oder Tablet abspeichern, nicht nur auf Dropbox oder dem Emailaccount!
  • Hotelbuchungsbestätigungen immer per Screenshot abspeichern, da damit gerechnet werden muss, dass die Bestätigungsemail nicht abgerufen werden kann. Viele Hotels wollen die Buchungsbestätigung sehen.
  • Sich vor der Reise nach China Zeit nehmen, um den aktuellen Stand der funktionierenden VPNs zu recherchieren (dies kann sich von Woche zu Woche ändern), einen oder besser zwei herunterzuladen und auch gleich schon von Zuhause aus ausprobieren.

Visum

Obwohl sich auf einer längeren Reise auch unterwegs auf einer Botschaft ein Visum für China beantragen lässt, empfehle ich, dieses wenn möglich schon von Zuhause aus zu beantragen. Der Grund: Für das Visum muss nicht nur der Pass vorgelegt und ein Antragsformular mit einem Passfoto in Farbe (!), sondern auch der „Beweis für den Roundtrip“ vorgelegt werden. Das heisst, man muss sowohl den Hin- und Rückflug in und aus China vorweisen, als auch Hotelreservationen von mindestens zwei Drittel der Reise. Das Touristenvisum L befugt einen zu einem maximal 4-wöchigen Aufenthalt in China, der innerhalb der folgenden 3 Monate nach Ausstellungsdatum erfolgen muss. Für Leute, die das Visum mehr als 3 Monate im Voraus beantragen möchten, gibt es die Möglichkeit eines Double-Visas, welches erlaubt, während der nächsten 6 Monate maximal 2 Mal einzureisen. Ein Single Visum kostet in der Schweiz 80 Franken, ein Double Visa 100 Franken. Um das Visum zu beantragen, muss man persönlich auf der Botschaft in Zürich oder Bern vorbeischauen.

Hier findest du mehr Infos:

http://zurich.china-consulate.org/det/lsfw/sbqz/

Küche

Yunnans Küche ist aufgrund des Kulturenmixes vielfältig, doch leider wussten wir so gut wie nie, welche Küche wir gerade genossen. Fest steht, die meisten Gerichte waren sehr, sehr ölig und mit Knoblauch wurde selten gespart. Zudem gibt es ein regelmässig verwendetes Gewürz, eine Art Pfeffer, der eine anästesierende Wirkung hat. Als wir dieses Gewürz zum ersten Mal in einer Nudelsuppe gegessen haben, dachten wir, nun hätte unser letztes Stündchen geschlagen. Doch keine Angst: Wenn auch ungewohnt, umgebracht hat dieses Gewürz noch keinen. Auch vegetarisch zu essen ist durchaus möglich. Vielerorts gibt es Garküchen, die eine grosse Auswahl an Gemüsen in einer Vitrine ausstellen. Man muss lediglich auf die gewünschten Gemüsesorten zeigen und Reis dazu bestellen. Als Fleischersatz eignen sich Bohen aller Art.

Tipps:

  • Offen und flexibel sein
  • Die Tipps der Kommunikation (siehe oben) zu Hilfe nehmen

Unbedingt probieren:

  • In Shaxi gibt es weisse Kidney Bohnen in einem leckeren Sud zu Essen. Und am Markt kann man getrocknete, mit rotem Chili gewürzte Wurzeln kaufen. Diese sind an ihrer „Wurmform“ leicht zu erkennen und schmecken herrlich als Snack für Zwischendurch.
  • Das traditionelle Naxi Frühstück gibt es in Lijiang am Strassenrand zu kaufen und besteht aus einer (etwas öligen, relativ dicken) Brotflade, gefüllt mit Weisskohl und schwarfen Gewürzen.
  • In Xizhou gibt es sogenannte „Baba“, ebenfalls Brotfladen mit verschiedenen eingemischten Inhalten. Mit und ohne Fleisch.

Wetter

„Yunnan ist bekannt für sein mildes Klima“, lasen wir vor unserer Abreise überall. Doch, anders als wir dachten, bedeutet dies keineswegs sonnige Tage am Laufband. Wir waren im Mai drei Wochen in Yunnan unterwegs und haben zahlreiche stark bewölkte Tage erlebt und auch einige Regentage. In Shaxi wurde es, wie eine Einheimische es bezeichnete, „untypisch kalt für diese Jahreszeit“ – schätzungsweise 10 Grad, und es regnete. In all unsere Reisekleidung und nasse Regenmäntel gewickelt sassen wir in den allesamt offenen Restaurants und assen schlotternd Abendbrot. In Lijiang erlebten wir ebenfalls einige Tage des durchgenden Regenfalls. Glücklicherweise blieb die Temperatur trotzdem im angenehmen Bereich – wahrscheinlich ungefähr gefühlte 17 Grad. Auf dem Roller waren wir jedoch froh um Termohose und Fliesjacke.

Tipps fürs Packen

  • Eine gute Regenjacke und wasserfeste Schuhe dürfen im Gepäck nicht fehlen.
  • Für Wanderer und Rollerfahrer empfielt es sich, eine Regenhose mitzunehmen.
  • Leggings einpacken, um unter den Hosen zu tragen (notfalls auch im Sommer!).
  • Stirnband oder Kappe kann (auch im Sommer) nicht schaden.
  • Auch eine Sonnenbrille, ein Sonnenhut und eine Sonnencrème mit hohem Lichtschutzfaktor (die meisten Orte in Yunnan liegen auf 2000 M.ü.M. und höher) sollten eingepackt werden.

Geld

Unsere Unterkünfte und Restaurantbesuche als auch Taxifahrten mussten wir meistens Bar in der Landeswährung Yuan bezahlen. Geld abheben kann man mit der Kreditkarte (Visa und Master Card) bei Geldautomaten der Bank of China. Bei anderen Banken war dies nicht möglich. So konnte ich im kleinen Dorf Shaxi kein Geld abheben und war auf die Reserven meiner Reisebegleitung angewiesen.

Folglich empfiehlt sich:

  • Bevor man kleinere Orte besucht, immer überprüfen, ob man noch genug Bargeld in der Tasche hat.
  • Bargeld mit der Kreditkarte in den grösseren Städten bei der Bank of China abheben.

Verkehrsmittel

In China verkehren sowohl Züge als auch Busse. Die Strecken von Kunming nach Dali und von Dali nach Lijiang haben wir mit dem Zug zurückgelegt. Es gibt drei verschiedene Klassen, die billigste ist „hard seat“. Wer sich darunter Holzpritschen vorstellt, wie wir das taten, liegt kreuzfalsch. Der Komfort der Sitze ist in etwa vergleichbar mit dem der zweiten Klasse in der Schweiz oder Deutschland. Es empfielt sich, im Voraus einen Platz zu reservieren (beispielsweise unter Ctrip oder chinatour.net), wobei die Bearbeitungsgebür teurer ist als der Sitzplatz selber (ein hard seat kostet ca. 5 USD. Dazu kommen ca. 10 USD Gebühren). Im Nachhinein würde ich nur noch die 6-Stunden Strecke Kunming-Dali vorausbuchen. Von Dali nach Lijiang sind es nur 3 Stunden, welche sich auch mit öffentlichen Bussen bequem zurücklegen lassen. Intercity Busfahrten kosten in der Regel ca. 40 Yuan pro Person.

In der Umgebung Lijiang kosten die öffentlichen Busse nur 1 Yuan pro Fahrt, welcher beim Einstieg in einen Behälter geworfen wird. Bus 6 fährt nach Baisha, Bus 2 umrundet die Altstadt von Lijiang. Die Fahrt mit dem Bus Nr. 2 ist im Übrigen sehr empfehlenswert – eine Art Sightseeing Tour, um die Gegenden ausserhalb des Oldtowns kennenzulernen.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Zugfahrt Kunming-Dali zur Sicherheit im Voraus buchen
  • Für die Strecke Dali-Lijiang gibt es Zug und Busse
  • Lijiang-Shangrila nur Busse, eine Zuglinie ist in Planung
  • Buchungen und Fahrplan unter Ctrip oder chinatour.net

Öffentliche WCs

Zum Schluss ein etwas unangenehmes, aber gerade deshalb erwähnenswertes Thema: Die öffentlichen Toiletten bilden in Yunnan den perfekten Gegensatz zur sonstigen Sauberkeit und des Wohlgeruchs des Landes und der Leute. Oder anders gesagt: So manche öffentlichen Toiletten sind wirklich äusserst grausig – und das kommt von jemandem, der nicht sonderlich heikel ist. Ich empfehle deshalb, immer WC Papier oder Taschentücher mitzutragen sowie Feuchttücher oder Hand Sanitizer. Heikle Personen sollten öffentliche Toiletten so gut als möglich meiden.

 

 

Ich hoffe, mit diesem Beitrag all denen weitergeholfen zu haben, die eine Reise durch Yunnan auf eigene Faust planen. Falls dennoch Fragen offen geblieben sind, zögere nicht, einen Kommentar oder eine PM zu schreiben. Ich freue mich, dir weiterhelfen zu können!

 

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